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Shanghai – zwischen Metro, Straßenküchen und Veränderung

  • Writer: Viviane Fazel
    Viviane Fazel
  • Mar 31
  • 3 min read

Updated: Jun 11

Was Shanghai mich über Übergänge gelehrt hat


Es gibt Orte, die man nicht einfach besucht.

Sie hinterlassen Spuren.

Shanghai war für mich so ein Ort.

Als wir dorthin zogen, hatte ich vieles erwartet.

Ein neues Land.

Eine neue Sprache.

Eine andere Kultur.


Was ich nicht erwartet hatte:

Wie sehr dieser Ort meine Vorstellung von Anpassung, Kontrolle und Veränderung verändern würde.

Shanghai war laut.

Heiß.

Feucht.

Überwältigend.

Die Stadt schien ständig in Bewegung zu sein.

Menschen.

Verkehr.

Geräusche.

Gerüche.

Alles gleichzeitig.


Nichts schien langsamer zu werden, nur damit ich hinterherkommen konnte.


Besonders erinnere ich mich an die Metro.

Menschen standen dicht an dicht.

Kein Abstand.

Kein persönlicher Raum, wie ich ihn gewohnt war.

Dazu die neugierigen Blicke.

Offen.

Direkt.

Unverstellt.

Ich fiel auf.

Sofort.

Und ich wusste, dass ich auffiel.

Am Anfang empfand ich das als anstrengend.

Ich fragte mich, wie ich wirkte.

Ob ich etwas falsch machte.

Ob ich mich anders verhalten sollte.


Bis ich irgendwann bemerkte, dass genau dieser Versuch, mich anzupassen, mich erschöpfte.

Und dass etwas leichter wurde, als ich damit aufhörte.

Ich musste nicht chinesisch werden.

Ich musste nicht perfekt hineinpassen.

Ich durfte einfach da sein.

Ähnlich ging es mir mit den Straßenküchen.

Draußen wurde gekocht, gegessen und gelebt.

Knoblauch.

Sojasoße.

Öl.

Algen.

Gerüche, die ich zunächst nicht einordnen konnte.

Menschen saßen auf kleinen Hockern.

Geschäftiges Treiben überall.


Das Leben spielte sich nicht hinter verschlossenen Türen ab.


Es war sichtbar.

Direkt.

Unmittelbar.


Nichts schien darauf zu warten, fertig oder perfekt zu sein.


Am Anfang wollte ich vieles verstehen.

Warum läuft hier manches so anders?

Warum funktioniert es so?

Warum fühlt es sich für mich manchmal so fremd an?


Doch irgendwann wurde mir klar:


Diese Fragen führten mich nur bis zu einem bestimmten Punkt.


Denn nicht jede Erfahrung lässt sich zuerst verstehen und dann erleben.


Manche Erfahrungen müssen erst erlebt werden, bevor sie verstanden werden können.


Rückblickend glaube ich, dass Shanghai mich etwas gelehrt hat, das weit über das Leben im Ausland hinausgeht.


Veränderung wartet nicht darauf, dass wir bereit sind.


Übergänge kommen selten mit einer Gebrauchsanweisung.


Und nicht alles lässt sich kontrollieren oder bis ins Detail planen.


Manchmal besteht der nächste Schritt nicht darin, alles zu verstehen.
Sondern darin, sich zu bewegen.
Mitten in der Unsicherheit.
Mitten in der Veränderung.
Mitten in einer Situation, die noch keine fertigen Antworten bereithält.

Viele Menschen erleben etwas Ähnliches.

Nicht unbedingt durch einen Umzug nach China.


Sondern nach einer Trennung.


Nach einer Rückkehr aus dem Ausland.


Nach dem Auszug der Kinder.


Nach beruflichen Veränderungen.


Oder in einer Lebensphase, in der das Alte nicht mehr richtig passt und

das Neue noch nicht sichtbar ist.


Dann entsteht oft der Wunsch, alles verstehen zu wollen.


Warum ist das passiert?

Warum fühlt sich das so an?

Wie finde ich wieder Klarheit?

Diese Fragen sind wichtig.


Doch irgendwann verändert sich die entscheidende Frage.


Nicht mehr:


Warum ist das so?


Sondern:


Was möchte jetzt entstehen?


Heute begleitet mich dieser Gedanke auch in meiner Arbeit.


Orientierung entsteht nicht immer dadurch, dass wir jede Antwort kennen. Manchmal entsteht sie dadurch, dass wir lernen, uns in Veränderungen zu bewegen. Schritt für Schritt.

Ohne alles bereits wissen zu müssen.



Reflexionsimpuls


✧ Gibt es in deinem Leben gerade einen Bereich, in dem du noch auf vollständige Klarheit wartest?

✧ Und was würde sich verändern, wenn du den nächsten kleinen Schritt trotzdem gehen würdest?



Kompass-Gespräch


Wenn du dich in einer Phase des Übergangs befindest und

deine Situation klarer verstehen möchtest,

begleite ich dich gern ein Stück des Weges.



60–90 Minuten · online



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