Du bist mitgegangen. Aber was gehört dir eigentlich?
- Viviane Fazel
- Apr 1
- 2 min read
Updated: 4 minutes ago
Was es uns gekostet hat...
Wenn gemeinsame Lebensentscheidungen später ungleich wirken.
Gemeinsam ins Ausland gehen.
Ein neues Leben beginnen.
Die Karriere des Partners unterstützen.
Von außen wirkt das oft wie ein Privileg.
Und ja – das ist es auch.
Aber es ist nicht die ganze Geschichte.
Wenn ein Leben mitgeht – und ein anderes stehen bleibt
Viele mitausgereiste Partner:innen geben etwas auf, das nicht sofort sichtbar ist:
eigenes Einkommen
berufliche Entwicklung
soziale Absicherung
langfristige Perspektiven
Nicht immer freiwillig.
Oft schlicht, weil es nicht anders möglich ist.
Was man in dem Moment nicht sieht
Während ein Partner weiter eingebunden ist –
in Gehalt, Struktur und Karriere –
steht der andere oft außerhalb.
Und vieles davon wird erst sichtbar, wenn sich etwas verändert.
Wenn das gemeinsame Modell bricht
Ich habe in meinem Umfeld Situationen erlebt,
in denen genau das plötzlich existenziell wurde.
Eine Frau, Ende 50.
Mehrere Jahre im Ausland.
Keine eigene berufliche Entwicklung.
Und dann die Frage:
Wie fange ich jetzt noch einmal an?
Ein Blick nach Frankreich
Ich bin keine Juristin – und dieser Text ersetzt keine rechtliche Beratung.
Aber was ich spannend finde:
In Frankreich gibt es ein Konzept, das genau solche Situationen berücksichtigt:
Die prestation compensatoire
Sie dient dazu,
Ungleichgewichte nach einer Scheidung auszugleichen,
die durch gemeinsame Lebensentscheidungen entstanden sind.
Dabei wird unter anderem berücksichtigt:
Karriereverzicht
Umzüge für den Partner
Kinderbetreuung
Auswirkungen auf die Altersvorsorge
Besonders relevant:
Auch eine „auf Eis gelegte“ Karriere kann einbezogen werden.
Und in Deutschland?
Hier liegt der Fokus stärker auf:
Eigenverantwortung
Wiedereinstieg
zeitlich begrenzten Unterhaltslösungen
Das bedeutet nicht, dass es keinen Schutz gibt.
Aber viele langfristige Effekte –
insbesondere Rentenlücken –
werden weniger umfassend berücksichtigt.
Was dabei oft übersehen wird
Die Entscheidung, mitzugehen,
ist selten nur individuell.
Sie ist Teil eines gemeinsamen Lebensmodells.
Und genau deshalb stellt sich später eine zentrale Frage:
Wer trägt die Konsequenzen?
Es geht nicht um Schuld
Es geht um Bewusstsein.
Darum, dass diese Realität existiert.
Und dass sie viele betrifft.
✧
Vielleicht geht es nicht nur darum,
gemeinsam neue Wege zu gehen.
Sondern auch darum zu verstehen,
was jeder auf diesem Weg zurücklässt.
Ich bin mitgegangen. Und ich schreibe weiter. Einige Gedanken begleiten uns länger als einen einzigen Artikel.
Wenn du dich gerade an einem ähnlichen Punkt befindest und deine Gedanken sortieren möchtest, melde dich gern.Manchmal beginnt Klarheit nicht mit Antworten – sondern mit einem Gespräch.


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