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Warum wir nicht darüber sprechen, was es uns gekostet hat.

  • Writer: Viviane Fazel
    Viviane Fazel
  • Apr 2
  • 3 min read

Updated: 18 minutes ago

Was es uns gekostet hat...


✧ Es gibt Entscheidungen, die treffen wir nicht laut. Ich habe lange gedacht, ich hätte nichts verloren.

Und vielleicht beginnt genau hier ein anderes Nachdenken.


Es gibt Themen, über die sprechen wir erstaunlich wenig.


Nicht, weil sie unwichtig sind.

Sondern weil sie schwer greifbar sind.


Weil sie nicht laut sind.

Nicht eindeutig.

Nicht schwarz oder weiß.


Der Preis des Mitgehens gehört dazu.


Viele kennen dieses Gefühl aus internationalen Lebensphasen: Menschen geben ihre Karriere auf, ziehen mit Partner*innen ins Ausland oder stellen eigene Pläne für Familie und gemeinsame Entscheidungen zurück.


Doch es betrifft nicht nur mitausgereiste Partner*innen.

Solche leisen Verschiebungen können überall entstehen – wenn wir Verantwortung übernehmen, Rollen wechseln oder unsere eigenen Bedürfnisse lange hinten anstellen.

Und oft sprechen wir erstaunlich wenig darüber, was uns solche Entscheidungen – leise und über Jahre – tatsächlich gekostet haben.




Das Paradox



Viele von uns würden sagen:


„Ich habe mich bewusst entschieden.“

„Ich wollte das.“

„Es war richtig so.“


Und das stimmt.


Und gleichzeitig stimmt auch etwas anderes:


Dass diese Entscheidung etwas gekostet hat.


Nur sprechen wir selten darüber.




Warum eigentlich nicht?



Ich habe mir diese Frage oft gestellt.

Nicht nur für mich – sondern auch in Gesprächen mit anderen Frauen, die ähnliche Wege gegangen sind.


Und immer wieder tauchen dieselben Gründe auf.




1. Weil wir unsere eigenen Entscheidungen nicht in Frage stellen wollen



Wenn wir sagen:


„Es hat mich etwas gekostet“


klingt das schnell wie:


„Es war ein Fehler.“


Also sagen wir lieber:


„Es war schon okay.“


Doch zwischen richtig und kostenlos liegt ein Unterschied.




2. Weil wir loyal sind


Viele Entscheidungen entstehen aus einem „Wir".


Und Loyalität fühlt sich nicht vereinbar an mit Sätzen wie:


  • „Ich habe viel aufgegeben.“

  • „Ich habe einen Preis gezahlt.“


Also bleiben wir still.


Nicht aus Schwäche.

Sondern aus Verbundenheit.



3. Weil es keine Sprache dafür gibt


Für einen Karriereknick gibt es Worte.

Für finanzielle Verluste auch.


Aber für das hier?


  • verschobene Lebenswege

  • unterbrochene Entwicklung

  • unsichtbare Arbeit

  • emotionale Anpassung


Dafür gibt es kaum Begriffe, die sich stimmig anfühlen.


Also sagen wir:


„Es war eine intensive Zeit.“


Und meinen etwas ganz anderes.



4. Weil niemand danach fragt


Die klassischen Fragen sind:


  • „Was haben Sie beruflich gemacht?“

  • „Wie sieht Ihr Lebenslauf aus?“


Was nie gefragt wird:


„Was haben Sie in dieser Zeit getragen?“

„Was haben Sie möglich gemacht?“


Und so bleibt vieles unsichtbar – auch für uns selbst.



Das eigentliche Thema ist Anerkennung


Nicht von außen.


Sondern von innen.


Denn solange wir selbst nicht anerkennen, was wir gegeben haben,

kann es auch niemand anders sehen.


Und genau hier beginnt Veränderung.



Ein leiser Perspektivwechsel


Vielleicht geht es gar nicht darum, die Vergangenheit neu zu bewerten.


Sondern sie vollständiger zu sehen.


Nicht nur:


  • das Abenteuer

  • die Erfahrungen

  • die Entwicklung



sondern auch:


  • den Verzicht

  • die Anpassung

  • die verschobenen Möglichkeiten



Beides gehört zusammen.



Und wenn wir anfangen, es auszusprechen?


Dann passiert etwas Interessantes.


Es wird:


  • ruhiger

  • klarer

  • ehrlicher



Und vor allem:


weniger schwer


Denn ein unausgesprochener Preis wiegt oft mehr

als ein anerkannter.



Reflektionsimpuls


Wenn du magst, nimm dir einen Moment für diese Frage:


Was hat mich eine Entscheidung in meinem Leben gekostet – ohne dass ich es je so benannt habe?


Und dann:


Kann ich das heute anerkennen, ohne es zu bewerten?


Vielleicht nur in einem Satz.


Vielleicht nur für dich.



Was sich dadurch verändert



Du wirst nicht härter.

Nicht distanzierter.

Nicht kritischer.


Sondern:


vollständiger


Denn du siehst dich nicht mehr nur in dem, was du getan hast –

sondern auch in dem, was du getragen hast.



Und vielleicht ist genau das der Moment,

in dem sich etwas verschiebt.


Leise.

Aber nachhaltig.



Ich bin mitgegangen. Und ich schreibe weiter. Einige Gedanken begleiten uns länger als einen einzigen Artikel.

Wenn du dich gerade an einem ähnlichen Punkt befindest und deine Gedanken sortieren möchtest, melde dich gern. Manchmal beginnt Klarheit nicht mit Antworten – sondern mit einem Gespräch.



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